Im Gespräch mit Martin Wild (Geschäftsführer) und Frank Kreichauf (Leiter Produktmanagement/ Einkauf und Entwicklung), Home of Hardware GmbH & Co. KG, www.hoh.de

„Das kann ich besser als die bestehenden Läden und Online-Shops!“ Diese selbstbewusste Erkenntnis brachte Martin Wild 1997 – noch zu seiner Schulzeit – dazu, die heutige Home of Hardware GmbH & Co. KG zu gründen. Firmensitz war damals die elterliche Wohnung. Mittlerweile zählt Home of Hardware zu den führenden deutschen Online-Shops für Informationstechnologie, Telekommunikation und Home Entertainment. Home of Hardware beschäftigt mittlerweile mehr als 100 Mitarbeiter und versandte im ersten Halbjahr 2008 141.217 (2007: 88.373) Pakete an Privat- und Geschäftskunden sowie öffentliche Einrichtungen in der gesamten Europäischen Union. Im Kalenderjahr 2007 verschickte Home of Hardware 227.683 Pakete und erzielte einen Gesamtumsatz von 66,33 Millionen Euro, ein Plus von 63,51 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ist der Einstieg in den elektronischen Handel Ihrer Meinung nach heute noch sinnvoll?
Das kommt darauf an. In bestimmten Bereichen sind die Claims aus unserer Sicht schon abgesteckt. In unserer Branche herrscht beispielsweise ein starker Preiswettbewerb zwischen den Anbietern, hier haben Neueinsteiger kaum mehr eine Chance. Es findet sogar bereits eine Konsolidierung statt, in deren Verlauf auch alteingesessene Firmen bereits vom Markt verschwunden sind oder noch verschwinden werden. In anderen Bereichen kann man mit innovativen Ideen jedoch sicher noch Erfolge erzielen. Bevor man in den elektronischen Handel einsteigt, sollte man sich daher genau anschauen, welche Wettbewerber es schon gibt und was diese ihren Kunden bieten, um die eigenen Erfolgschancen realistisch beurteilen zu können.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Neueinsteiger in den elektronischen Handel?
Zu Beginn der Geschäftstätigkeit ist es wichtig, aus der Vielzahl verfügbarer Lösungen die passende Shop-Software zu wählen. Sie muss günstig zu beziehen und zu betreiben sein sowie den stetig steigenden Anforderungen durch eine zukünftige Expansion genügen. Ein späterer Wechsel der Shop-Software ist in der Regel mit hohem Aufwand verbunden. 
Ist die Live-Schaltung des Shops dann erfolgt, muss er von den potenziellen Kunden natürlich auch gefunden werden. In unserer Branche spielen hierfür Preisvergleichsseiten eine wichtige Rolle. Aber auch Suchmaschinen oder Zeitungsanzeigen bieten grundsätzlich gute Möglichkeiten, um die eigene Zielgruppe zu erreichen.
Ein weiteres Problem, das auch uns einige Zeit Schwierigkeiten bereitet hat, ist die steigende Anzahl der Abmahnungen, die zum Teil wegen „Nichtigkeiten“ erfolgen. Wir erhielten beispielsweise einmal eine Abmahnung, weil wir das Wort „Unverbindliche Preisempfehlung“ nicht ausgeschrieben hatten. Wir lassen daher unseren Shop regelmäßig von einem Rechtsanwalt auf Abmahngründe hin untersuchen und haben seitdem keine Probleme mit Abmahnungen mehr. 
Gehen dann Bestellungen im Shop ein, muss auch dafür gesorgt sein, dass diese problemlos abgearbeitet werden können. Aufgrund unseres starken Wachstums stehen wir ständig vor der Herausforderung, zusätzliche qualifizierte Mitarbeiter für die Abarbeitung der Bestellungen zu gewinnen und unsere Abläufe weiter zu verbessern. 

Welche Zahlungsverfahren bieten Sie an und welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Derzeit besteht für unsere Kunden die Möglichkeit, via Vorkasse, Nachnahme, Kreditkarte, PayPal und ClickandBuy zu bezahlen. Auch Finanzierungskäufe und Leasing stehen zur Auswahl. Zahlungen per Lastschriftverfahren oder Rechnung bieten wir nicht an. Bei der Kreditkarte hatten wir vor einiger Zeit mit Betrugsfällen zu kämpfen und hatten das Verfahren daher sogar vorübergehend abgeschafft. Mit der Wiedereinführung 2007 haben wir unsere Abläufe angepasst und zusätzliche Vorkehrungen gegen Betrugsrisiken getroffen. Die Zahl der Kreditkartenzahlungen im Shop nimmt seitdem wieder stark zu. Wir bieten unseren Kunden durch das umfassende Angebot an Zahlungsverfahren erheblich mehr Komfort, der auch geschätzt wird. Insbesondere PayPal und ClickandBuy erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. 

Wie schützen Sie sich bei Kreditkartenzahlungen vor Zahlungsausfällen?
Da wir in der Vergangenheit bereits schlechte Erfahrungen mit Betrugsfällen machen mussten, sind wir dazu übergegangen, bei Kreditkartenzahlungen ab einem bestimmten Warenwert eine manuelle Prüfung der Kundendaten zu veranlassen. Des Weiteren stützen wir uns auf Verified by Visa und MasterCard SecureCode. Diese Verfahren bieten uns zusätzlichen Schutz vor Betrügern. Zudem akzeptieren wir ausschließlich inländische Kreditkarten und lassen bei Firmenkreditkarten keine abweichende Lieferadresse zu. Eine sehr empfehlenswerte zusätzliche Absicherung ist die zwischen uns und den Kreditkartenanbietern vereinbarte Zahlungsgarantie, die wir außerdem auch mit PayPal und ClickandBuy abgeschlossen haben. 

Welche Rolle spielen Geschäfte mit ausländischen Kunden für Ihr Unternehmen?
Neben Deutschland ist Österreich derzeit ein interessanter Markt für uns. Andere Länder liegen derzeit nicht im Fokus unserer Bemühungen, hauptsächlich wegen der hohen Transportkosten und der damit verbundenen Nachteile gegenüber Anbietern vor Ort. Wir beobachten jedoch recht genau, wie sich die ausländischen Märkte entwickeln und wo sich eventuell zukünftige Chancen bieten könnten.

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