E-Commerce-Leitfaden
ibi research an der Universität Regensburg GmbH
05.04.2018

Interview: Was steckt eigentlich hinter „Firmenkundenkreditkarten“

Im Interview mit Johannes F. Sutter von SIX Payments näher wir uns dem Thema Payment im B2B-E-Commerce und insbesondere den Firmenkundenkreditkarten. Mehr dazu erfahren Interessierte auch am 15.5.2018 beim ibi-Forum „B2B-E-Commerce“ in Frankfurt (www.ibi.de/B2B-Forum).

Johannes F. Sutter von SIX Payments spricht über Firmenkreditkarten

 

ibi: Für alle, die Sie nicht kennen, stellen Sie sich und Ihren Tätigkeitsbereich doch bitte kurz vor.
Herr Sutter: Mein Name ist Johannes Sutter. Ich bin bei SIX Payment Services Germany als Head E-Commerce Sales verantwortlich.

Als sogenannter Acquirer ermöglichen wir Händlern die Akzeptanz von Karten, z. B. die von Mastercard, Visa, Amex, Diners, JCB oder auch die GiroCard.

Zudem liefern wir Lösungen zur Integration von verschiedenen Zahlungsmitteln in bestehende Händler Systeme, etwa im Kassenplatzumfeld, in Online-Shops, in Apps, und auch für alle, die einen Omni-Channel Ansatz verfolgen.

 

ibi: Was sind Firmenkunden-Kreditkarten bzw. Commercial Cards?
Herr Sutter: Commercial Cards bzw. Firmenkundenkreditkarten sind Karten, die speziell für Unternehmen entwickelt wurden, mit einem anderen Leistungsumfang als die üblichen Kreditkarten für Konsumenten. Wir kennen alle diese klassischen Consumer-Kreditkarten, die wir privat im Urlaub oder beim Online-Shoppen einsetzen.

Firmenkreditkarten dagegen sind Karten, die auf einen Mitarbeiter einer Firma ausgestellt werden; die Abrechnung erfolgt zentral mit der Firma.

Die Business-Karte vereinfacht zahlreiche Prozesse für den Mitarbeiter wie für das Unternehmen. Unter anderem werden die Spesenabrechnung, die Buchhaltung, die Analyse von Kosten, die Vorfinanzierung von Projekten oder die Liquidität von Mitarbeitern unterstützt. Zusätzlich gibt es oft interessante Bonusprogramme oder Versicherungspakete.

Trotz ihrer Vorteile hat man Commercial Cards im Vergleich zu den klassischen Consumer-Kreditkarten aber oft weniger im Fokus.

 

ibi: Welche Vergünstigungen/Vorteile ergeben sich für den Kunden bei der Nutzung von Firmenkundenkreditkarten im Vergleich zu normalen Kreditkarten?
Herr Sutter: „Normale“ Kreditkarten werden im Regelfall am Monatsende einmal belastet. Bei Firmenkundenkreditkarten verhält sich das ähnlich, allerdings sind die Liquiditätsvorteile sehr spannend, da die Abrechnungszeiträume individuell verhandelbar sind. Dabei ist eine Streckung des Zeitraums auf bis zu 120 Tage möglich. Dadurch wird eine längere Liquidität erreicht, die eine solche Karte natürlich besonders attraktiv für Unternehmen macht.

Daneben sind auch Bonusprogramme abbildbar und oft auch Versicherungsleistungen, etwa für Stornogebühren oder den Haftpflichtanteil bei der Anmietung von Firmen-KFZ. Solche Leistungen können aber auch Transportversicherungen sein.

Im internationalen Geschäftsverkehr besticht eine Firmenkundenkreditkarte durch ihre Währungsunabhängigkeit. Sie ermöglicht eine grenzüberschreitende Organisation und Bezahlung über mehrere Betragsstufen. Die Kartenlimits reichen von 2.000 Euro bis zu einer halben Million Euro.

 

ibi: Welche Vorteile ergeben sich für den Händler durch die Akzeptanz von Firmenkundenkreditkarten?
Herr Sutter: Der Grund für die Akzeptanz von Firmenkundenkreditkarten liegt vor allem in der schnelleren Vergütung gegenüber anderen Zahlungsarten im B2B Umfeld, wie z. B. dem Rechnungskauf. Durch Absprache mit der Bank ist meistens eine tägliche Vergütung machbar.

Auch die erhöhte Sicherheit beim Zahlungseingang, besonders im internationalen Umfeld, sowie der Wegfall von Mahn- oder Inkassogebühren sind als Vorteile zu nennen.

Besonders große Unternehmen nutzen – oft ausschließlich – Kreditkarten, um ihren Einkaufsprozess im Hinblick auf ihre Buchhaltung und den Abgleich der Finanzströme zu vereinfachen. Im Umkehrschluss verlieren Lieferanten im B2B-Segment also Kunden, wenn sie keine Zahlung durch Firmenkundenkreditkarten akzeptieren.

Die sofortige Verbuchung einer Transaktion mit Hilfe der elektronischen Verarbeitung stellt schließlich einen beiderseitigen Vorteil sowohl für den Karteninhaber als auch für den Akzeptanten der Karten dar.

 

ibi: Wo können Unternehmen bzw. Unternehmer Firmenkunden-Kreditkarten erhalten?
Herr Sutter: Grundsätzlich ist eine Firmenkundenkreditkarte bei jeder Bank erhältlich. Für kleinere Unternehmen sind sogenannte Business Cards am besten geeignet. Damit können die Mitarbeiter beispielsweise Reisebuchungen oder Spesenabrechnungen auf die Firmenkarte vornehmen.

Bei größeren Unternehmen, die mehrere Karten benötigen, spricht man von Corporate Cards, die dann individuelle Konditionen und große Service-Pakete beinhalten. Dabei ist für das Unternehmen auch eine nahezu unbegrenzte Kartenanzahl abbildbar.

 

ibi: Was müssen Händler tun, um Firmenkundenkreditkarten akzeptieren zu können? Gibt es hier für den E-Commerce-Bereich im Speziellen etwas zu berücksichtigen?
Herr Sutter: Prinzipiell gilt der Abschluss eines Kreditkartenakzeptanzvertrags bei einer Händlerbank für beide Gruppen: neben normalen Kredit- oder Debitkarten werden automatisch auch Firmenkundenkreditkarten akzeptiert. Manche Händler möchten jedoch Business-Karten aufgrund der etwas anderen Preisstruktur ausschließen.

 

ibi: Sind Transaktionen mit Firmenkundenkreditkarten für den Händler teurer als „normale“ Kreditkarten?
Herr Sutter: Ja. Business Karten sind nicht von der europäischen Regulierung der Kartenentgelte betroffen. Sie sind also in der Regel etwas teurer als normale Kreditkarten. Das hängt auch mit den Vorteilen und Serviceleistungen einer Business-Karte zusammen, die sich letztendlich in den Konditionen widerspiegeln. Dem gegenüber stehen deutlich höhere Durchschnittsumsätze und Einkaufsrahmen als im Privatbereich, sowie eine sehr geringe Rückbuchungs- bzw. Ausfallquote.

 

ibi: Was erwarten Sie vom kommenden ibi-Forum B2B-E-Commerce in Frankfurt?
Herr Sutter: Der B2B-Bereich ist grundsätzlich hinsichtlich der Automatisierung aller Prozesse enorm spannend. Deshalb freue ich mich sehr auf die Vorträge, auf den regen Austausch mit den Teilnehmern und auf die Fragen insbesondere des Handels. Zu erfahren, wie weit der einzelne Händler in diesem Bereich schon ist, wird sicherlich sehr interessant. Ich freue mich auf einen sehr informativen Tag.

 

ibi: Herzlichen Dank!

Wer Herrn Sutter persönlich treffen möchte und auch mehr zum Thema B2B-E-Commerce erfahren will, kann dies am 15.5.2018 beim ibi-Forum „B2B-E-Commerce“ in Frankfurt (www.ibi.de/B2B-Forum) tun.

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